Der Umgang der deutschen Medien mit dem Islam

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Das Thema Islam genießt in Deutschland eine hohe Medienpräsenz. Täglich erscheinen mehrere Artikel, die den Islam in Verbindung mit Selbstmordanschlägen, Scharia, Krieg, Terror, Fundamentalismus und Demokratie- und Minderheitenfeindlichkeit erwähnen. Die Medienberichterstattung über den Islam ist selektiv und schreibt dem Islam Eigenschaften zu, die nicht nur den Vorstellungen von Menschenrechten und Demokratie im Westen, sondern auch den Grundsätzen des Islams entgegenstehen. Wie bei vielen anderen Themen auch, konzentriert sich die Berichterstattung auf Probleme. Aber nicht nur das. Auch die integrierten und engagierten Muslime sind in Deutschland einem permanenten Misstrauen der Redakteure ausgeliefert. Ganze Artikel bauen auf Spekulationen, Verschwörungstheorien und auch Unwahrheiten auf.

Wegen dieser Berichterstattung fühlen sich viele Muslime in Deutschland nicht wohl. In der Mehrheitsgesellschaft entsteht ein Feindbild Islam, welches das Entstehen einer für Integration erforderlichen Willkommenskultur erschwert oder sogar verhindert. Die Medien haben also eine bedeutende gesellschaftliche Verantwortung.

Natürlich gehören die Freiheiten der Journalisten zu den zentralen Errungenschaften unserer Demokratie. Sie sind zu bewahren und gegenüber Angriffen und Versuchen der Einschränkung zu verteidigen. Eine Strafe für Meinungsäußerungen, jede Zensur oder Einschränkung der Informationsfreiheit sollten daher unzulässig sein.

Allerdings sollte dennoch eine gewisse journalistische Berufsethik existieren. Der Presserat zählt hierzu z.B. die Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde sowie gründliche und faire Recherche. Ich glaube, dass eine einfache Analyse diesbezüglich ein deutlich negatives Ergebnis haben wird.

Denn die meisten der Journalisten, die über die Muslime und über den Islam schreiben, sind keine Islamwissenschaftler, keine Orientalisten, sprechen weder Arabisch, noch Türkisch. Sie kennen sich weder in der islamischen Welt, noch im Islam aus und verstehen wichtige Zusammenhänge nicht. Sie wissen also oft überhaupt nicht worüber sie schreiben. Aber das scheint für die Chefetagen in den Medienhäusern keine Rolle zu spielen. Je spektakulärer und spekulativer eine Story ist, umso besser. Dass über Menschen geschrieben wird, spielt keine Rolle. Das ist verantwortungsloser Journalismus, der Demokratie zerstört.

Medien, die Propaganda machen und lügen, kennen wir aus der Vergangenheit. Wir wissen auch, welche fatalen Folgen das hatte.
Ercan Karakoyun studierte in Dortmund Raumplanung mit dem Schwerpunkt Stadtsoziologie und promoviert zur Zeit an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt zum Thema „Transnationalität“. Als Geschäftsführender Vorsitzender des Forums für Interkulturellen Dialog e.V. (FID) in Berlin engagiert er sich für den interkulturellen und -religiösen Dialog.

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