Die Debatte um Armin Langer schadet dem muslimisch-jüdischen Dialog

dtj-online-logoIm Rahmen der Flüchtlingsdebatte hatte Armin Langer, ein Rabbiner-Student am Abraham Geiger Kolleg, den Zentralrat der Juden massiv kritisiert und gefordert, den Zentralrat der Juden in „Zentralrat der rassistischen Juden“ umzubenennen. Jetzt wird ihm die Ordination verweigert. Die Meinungen über die Gründe gehen auseinander.

Inzwischen ist eine sehr kontroverse Diskussion über die Verweigerung der Ordination des angehenden Rabbiners entbrannt. Langer vertritt hierbei die Meinung, dass die Ursache für die Verweigerung sein Engagement im jüdischen-muslimischen Dialog sei. Langer ist Mitbegründer der Initiative „Salaam-Schalom“, die sich für ein friedliches Miteinander von Juden und Muslimen einsetzt. Der Beirat des Kollegs und dessen Rektor widersprechen dieser Lesart ausdrücklich. Sie weisen darauf hin, dass das Kolleg enge und freundschaftliche Verbindungen zu muslimischen Gemeinden pflege und es Langer nun einmal wiederholt am „notwendigen Fingerspitzengefühl“ für das Rabbineramt gefehlt habe. Das Vertrauen in ihn als Kandidaten sei so verloren gegangen. Das sei keine Seltenheit. Jedes Jahr würden circa 30 Prozent der Schüler vor der Ordination abbrechen – was bei den maximal sieben Personen starken Jahrgängen ein bis zwei Kandidaten entspricht.

Zahlreiche Medienberichte greifen allerdings die Argumentation Langers auf und stellen sein interreligiöses Engagement als Ursache dar. Das Abraham Geiger Kolleg und der Rektor Rabbiner Dr. Walter Homolka stehen als Gegner eines interreligiösen Dialogs mit Muslimen da. Und das obwohl die Entscheidung von einem vielfältigen Beirat getroffen wurde.

Schon Abraham Geiger (1810-1874), der Namensgeber des Kollegs, wandte sich gegen die islamfeindliche Tradition der christlichen Orientalistik, die den Propheten Muhammad stets als Scharlatan, falschen Propheten und Betrüger diffamiert hatte; für Abraham Geiger war der Muhammad ein Erneuerer der vor ihm existierenden Religionen. Er sah sein Ziel darin, „eine Vereinigung aller Religions-Ansichten zum Heile der Menschen“ zu vollziehen. Geiger formulierte schon damals, was gerade heute unumstritten ist: die enge Verbindung zwischen jüdischen Lehren und dem Koran. Das Ergebnis des Versuches, den Koran philologisch zu sehen, wird als die Anerkennung des Islams als eine Art Schwesterreligion gewertet. Geigers Beschäftigung mit dem Christentum hatte klare apologetische Züge und war damit Pflicht, die mit Muhammad und dem Koran dagegen war Kür, geschah quasi aus Liebe.

Auch Rabbiner Dr. Walter Homolka kann in dieser Tradition gesehen werden. Rabbiner Homolka zu unterstellen, er sei gegen den jüdisch-muslimischen Dialog, entbehrt jeglicher Grundlage. Denn Homolka ist selber sehr stark im jüdisch-muslimischen Dialog engagiert. Und das seit vielen Jahren.

Homolka ist Mitgründer des House of One

Seine zahlreichen Veröffentlichungen zum Dialog, darunter vor allem das Gebetsbuch „Gemeinsam vor Gott: Gebete aus Judentum, Christentum und Islam“ und der Band „Muslime zwischen Tradition und Moderne“, welcher gemeinsam mit einem Muslim herausgegeben wurden, haben eine deutliche Aussage: Dialog.

Homolka selber ist Mitgründer des House of One, einem interreligiösen Projekt an dem Juden, Christen und Muslime beteiligt sind. Sie wollen gemeinsam ein Bet- und Lehrhaus der drei monotheistischen Religionen aufbauen. Auch hier geht es um den Dialog.

Das Miteinander von Juden und Muslimen war auch bei der Verleihung des Abraham Geiger Preises 2015 an die Bundeskanzlerin von zentraler Bedeutung. Die Jury begründete ihre Entscheidung u.a. nämlich so: „Sehr gut können sich Juden und Muslime auch noch an Ihr klares Eintreten in der Beschneidungsdebatte 2012 erinnern. Mit der neuen gesetzlichen Regelung konnte ein Zustand der Rechtsunsicherheit beendet werden, der zu einer großen Verunsicherung unter Juden und Muslimen geführt hatte.“

Selbstverständlich ist Meinungsfreiheit ein zentrales Gut. Das gilt vor allem auch für Kritik. Dass die Entscheidung, Armin Langer die Ordination zu verweigern, mit seinem Engagement im interreligiösen Dialog zusammenhängt, ist zu bezweifeln. Fakt ist hingegen, dass die Diskussion schon jetzt dem interreligiösen Dialog schadet. Sowohl das Abraham Geiger Kolleg als auch Rabbiner Homolka persönlich sind seit vielen Jahren Motor des jüdisch-muslimischen Dialogs in Deutschland. Islamophobie und Antisemitismus nehmen in der Gesellschaft zu. Durch die Zunahme an Flüchtlingen brauchen wir den interreligiösen Dialog zwischen Muslimen und Juden so stark wie nie zuvor. Daher ist die Arbeit von Institutionen wie dem Abraham Geiger Kolleg und von Akteuren wie Rabbiner Walter Homolka gesellschaftlich unheimlich wichtig. Was auch immer der Grund für die Verweigerung der Ordination war, es war bestimmt nicht Langers interreligiöser Dialog.

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