Die muslimischen Verbände sollten den Dialog wieder zur Chefsache machen!

Sie waren das zentrale Thema auf der diesjährigen Islamkonferenz: Die großen muslimischen Verbände. Seit mehreren Jahren dominieren sie die Schlagzeilen über den Islam in Deutschland. Die Themen dabei sind vielfältig. Mal geht es um Spionage für Präsident Erdogan, mal um Kinder in Soldatenuniformen mit Spielzeugwaffen in der Hand, mal aber auch um Rücktritte von Funktionären, die eine Politisierung der Moscheen und eine Einflussnahme Ankaras nicht zulassen wollen.

Die Kritik an den Verbänden, ihren Sichtweisen und ihrem Verhalten ist angebracht. Trotzdem muss auch klargestellt werden, dass es gut war, dass unsere Mütter und Väter diese Einrichtungen gegründet haben. Es hat nämlich auch etwas mit Heimat zu tun, wenn man seine Religion in dazugehörigen Gotteshäusern frei praktizieren kann. Das Problem sind also nicht die Moscheen an sich, sondern die Verbände, die sich immer mehr von der deutschen und auch deutsch-türkischen Gesellschaft entfremden. Sie verschließen sich dem Dialog und stehen nicht im Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft. Wer die Verbände kritisiert, wird als Vaterlandsverräter und Feind der Religion abgestempelt. Das ist der falsche Weg.

Denn nur durch Erklären und Verstehen kann in einer Gesellschaft ein friedliches Zusammenleben gelingen. Die Erklärung des eigenen und die Befragung des Anderen ist Grundlage des Dialogs. Daher muss jede Gemeinschaft sich selbst fragen, welche Erwartungen sie von der Gesellschaft und die Gesellschaft von ihr hat. Gleichzeitig heißt Dialog auch, dass man kritische Fragen durch den Anderen zulässt und sich versucht zu erklären. Nur durch diese Art der Gespräche und durch Selbstbefragung behält man den Anschluss an die Gesellschaft. Leider haben die großen muslimischen Verbände den Anschluss verloren. Sie haben kein Interesse daran, teil der Gesellschaft zu werden.

Damit es zu einer Wende kommt, müssen sich die Verbände aufrütteln. Sie dürfen die politische Instrumentalisierung nicht erlauben. Die Bindung der Verbände an die Türkei muss aufhören. Dazu gehört auch, dass der Import von Imamen aus der Türkei aufhören muss. Gerade junge Menschen fühlen sich in Deutschland heimisch und wollen einen Islam, der in Deutschland beheimatet ist. Daher sollten sich die Moscheen den Jugendlichen öffnen. Gleiches gilt für die jungen selbstbewussten muslimischen Frauen. Sie müssen in den Verbänden und in den Moscheen mehr Gehör und Positionen finden.

Wenn wir das schaffen, wird auch die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz von Muslimen in Deutschland eine bessere sein. Die muslimischen Verbände schaden in ihrer derzeitigen Form der Wahrnehmung des Islam. Mal sehen, ob und wann sie das verstehen.

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