»Ich werde die Welt nie wieder sehen.“ Ahmet Altan bekommt Geschwister-Scholl-Preis

Die Geschwister Scholl stehen stellvertretend für den Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime und gelten als Symbol für beispielhafte Zivilcourage. Das nun Ahmet Altan, der wegen Verbindungen zur Gülen-Bewegung zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, mit dem Geschwister Scholl Preis ausgezeichnet wird, ist ein deutliches Signal in Richtung Türkei.

Seit Juli 2016 wurden in der Türkei rund 130.000 Menschen wegen angeblicher Nähe zu Hizmet festgenommen, mehr als 200.000 Menschen verloren ihren Job. Tausende flüchteten nach Deutschland. Eigentum im Wert von 15 Milliarden Dollar wurde beschlagnahmt. Der türkische Geheimdienst MIT spioniert im Ausland vermeintlichen Gülen-Anhängern nach, um sie, wie im Kosovo oder in Pakistan geschehen, in die Türkei zu entführen. In Deutschland kooperierte der MIT mit türkischen Moscheen und der Rockerbande Osmanen Germania, die inzwischen verboten wurde. Vieles davon erinnert tatsächlich an ein dunkles Kapitel in der Vergangenheit.

„Ich werde die Welt nie wieder sehen. Ich werde nie wieder den Himmel ohne den Rahmen sehen, den die Wände des Gefängnishofes bilden.“

Im September 2018 ist im S. Fischer Verlag »Ich werde die Welt nie wieder sehen. Texte aus dem Gefängnis« erschienen. Es ist eine faszinierende Sammlung teilweise sehr persönlicher, fast philosophischer Texte, in denen Altan auf beeindruckende Weise über Freiheit, sein Leben im Gefängnis und die politische Situation in der Türkei schreibt. Ein eindrucksvolles Buch und wichtiges Zeugnis.

In der Jurybegründung heißt es: „Mit dem politisch motivierten Urteil wurde ein kritischer Kommentator des Geschehens in der Türkei seiner Freiheit beraubt. (…) Sein Schicksal ist leider beispielhaft für die Situation vieler unabhängiger Journalistinnen und Journalisten in zunehmend autoritären oder auch diktatorischen Gesellschaften.“

Ahmet Altan ist ein würdiger Preisträger. Ich gratuliere ihm von ganzem Herzen!

Please follow and like us: