Von Islamismus kann keine Rede sein – Leserbrief an Reutlinger General-Anzeiger

rgaIch wende mich als Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung an Sie. Die Stiftung ist Ansprechpartner für Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft und hat das Ziel, umfassend über die Aktivitäten des Hizmet-Netzwerkes in Deutschland zu informieren. Die Stiftung bündelt die Aktivitäten verschiedener regionaler Kultur- und Bildungsvereine. Viele der dort tätigen Menschen unterstützen die Ideen und Werte des türkischen Islamgelehrten Fethullah Gülen.

Mit Interesse, aber auch mit einigem Bedauern habe ich Ihr Interview mit dem integrationspolitischen Sprecher der CDU, Bernhard Lasotta, gelesen. Gerne möchte ich zu einigen Vorwürfen von Herrn Lasotta Stellung nehmen. So ist zu lesen, unsere Finanzierung sei unklar. Dazu haben wir uns in der Vergangenheit häufig geäußert: Unsere Projekte und die Vereinsarbeit werden durch Spenden, projektbezogene Förderung und Mitgliedsbeiträge ermöglicht. Diese Spenden sammeln die einzelnen Vereine selbst. Sie sind gemeinnützig und geben Rechenschaft gegenüber den entsprechenden Behörden ab. Sogenannte »Gülen-Schulen«, wie es in Ihrem Interview heißt, gibt es nicht. Es handelt sich um staatlich anerkannte Privatschulen in privater Trägerschaft. Einige der Träger teilen als Privatpersonen die Ideen Gülens. Unterrichtet wird ausschließlich nach den Vorgaben der entsprechenden Kultusministerien.

Fethullah Gülen oder die Gülen-Bewegung spielen weder im Schulalltag noch im pädagogischen Konzept der Einrichtungen eine Rolle, die Mehrzahl der Lehrer in diesen Schulen ist deutschstämmig. Selbst Kritiker erkennen an, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in diesen Schulen eine gute Ausbildung erhalten. Durch kleine Klassen mit gut geschulten Lehrern findet eine hervorragende Vorbereitung auf das Leben nach der Schule statt. Damit leisten unsere Einrichtungen einen wichtigen Beitrag zur Integration in Deutschland.

Einer Überprüfung durch den Verfassungsschutz, die Herr Lasotta erwähnt, sehen wir gelassen entgegen – schließlich bekennen wir uns ohne Einschränkung zum demokratischen Rechtsstaat in Deutschland. Im Grundgesetz verankerte demokratische Prinzipien wie Toleranz, Meinungs-, Religions- und Gewaltfreiheit sind für uns ein zentrales Gut, für das wir uns gerne und mit Leidenschaft einsetzen. Von »Islamismus«, der in dem Interview erwähnt wird, kann daher keine Rede sein. Wir haben den Behörden bereits unsere Kooperation bei der Bewertung der Bewegung angeboten und leisten gerne einen Beitrag, um die Vorurteile über Gülen aufzuklären.

Wir sind der festen Überzeugung, dass Dialog und ein direkter Gedankenaustausch die beste Grundlage für gegenseitiges Verständnis bilden. Unser erklärtes Ziel ist und bleibt eine gemeinsame Kultur der Anerkennung und Wertschätzung in unserer pluralistischen Gesellschaft, die wir aktiv mitgestalten wollen.

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