Vor allem in schwierigen Zeiten: Wahrhafte Dankbarkeit lässt sich nicht mit Worten ausdrücken!

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Johann Wolfgang von Goethe sagte einmal: „Leider lässt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken“. Ja, das stimmt. Aber dennoch sollte man danken. Der Prophet Muhammed (sav) unterstreicht: „Wer den Menschen nicht dankt, wird auch Gott nicht danken.“ Vor allem an Geburtstagen ist es wichtig Danke zu sagen. Sie sollten vor allem dazu da sein, das vergangene Jahr zu reflektieren und innezuhalten.

Zunächst einmal danke ich dem Barmherzigen Einen. Ich danke für ein weiteres Jahr, in dem ich auf dieser Erde sein durfte. Danke, für diesen neuen Tag. Danke, dass ich gesund bin. Danke, für die Familie, die Du mir geschenkt hast. Danke, für alles. Danke, dass Du da bist. Ich danke aber auch für alle Höhen und Tiefen und vor allem für alle wunderbaren Menschen, die mich in diesem Leben begleiten.  Ich danke meiner Familie, meinen FreundInnen und allen Menschen, die mich umgeben. Sie waren immer für mich da und haben mich unterstützt.

Die letzten Jahre waren besonders schwer für mich und für alle Menschen in der Hizmet-Bewegung (Gülen-Bewegung). 2500 Kilometer entfernt von uns geschahen Dinge, die unser Leben hier in Deutschland auf den Kopf stellten. Auf einmal war alles anders, in einem enormen Tempo. In der Nacht vom 15. Juli 2016 überschlugen sich die Ereignisse: Nachts rollten die Panzer, 300 Menschen starben, morgens war der Putschversuch niederschlagen – und mittags waren wir alle schuld. Zumindest wollte Erdogan, dass es so ist. Millionen von Menschen rund um den Globus – werden beschuldigt, für etwas verantwortlich zu sein, was sie zutiefst ablehnen: Gewalt.

Als Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung stehe ich ganz oben auf der Liste der Beschuldigten. Ich habe – schon seit Sommer 2015 – Einreiseverbot in die Türkei und bekomme seit dem 15. Juli 2016 übelste Beschimpfungen, ja sogar Morddrohungen. Warum? Das weiß ich noch immer nicht. Türkische Medien verbreiten auch in Deutschland die abenteuerlichsten Fakenews über mich. Ich stehe in engem Austausch mit der Polizei. Als Deutscher fühle ich mich sicher. In Deutschland funktioniert der Rechtsstaat. Doch natürlich habe ich Angst – auch um meine Familie. Gegen Ende 2018 ist die Stimmung nach wie vor aggressiv, auch hierzulande.

Woher rührt der Hass gegen uns Menschen aus der  Hizmet-Bewegung? Das wurde ich in den letzten Jahren oft gefragt. Ich frage zurück: Woher rührt der Hass gegen Schwarze, gegen Frauen, gegen Juden, gegen Sinti und Roma, gegen Minderheiten? Wer darauf nach einer Antwort sucht, tappt schnell in die Falle der Verleumdung. Es sind nicht die Eigenschaften einer Gruppe, die sie zu Verfolgten machen. Es sind die Eigenschaften der Verfolger. Hass sagt mehr über den Hassenden aus als über den Gehassten. Gülen und die Hizmet-Bewegung sind Sündenböcke für Erdogan, der eine Ausrede braucht, um zu tun, was er tut.

Aufklärungsarbeit muss weiter gehen 

Die deutsche Öffentlichkeit scheint überfordert. Die Politik auch. Wer kämpft hier eigentlich gegen wen? Wer ist gut, wer ist böse? Wer hat welche Interessen und wer gehört zu wem? Bevor eine Frage gestellt, geschweige denn beantwortet werden kann, passiert schon das Nächste und wirft neue Fragen auf. Oft sind wir überfordert. Oft kennen wir die Antworten auch nicht.  Wissen über Kemalisten, Aleviten, Sunniten, die Kenntnisse über diverse Strömungen des Islam – das alles ist jetzt erforderlich, aber wer weiß wirklich Bescheid?

Daher gilt: Die Aufklärungsarbeit der letzten 5 Jahre werde ich, so Gott will, auch im nächsten Jahr fortsetzen.

Ich höre ich da auf, wo ich angefangen habe. Beim Danken. Die Freundschaft und Zuneigung, die ich spüren durfte, die Zeichen der Verbundenheit sowie die vielen guten Worte und Wünsche zu meinem Geburtstag haben mich tief berührt. Dafür sage ich auf diesem Wege von Herzen Dank.

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