Auf einer Brache in Berlins Mitte soll ein interreligiöser Begegnungsort entstehen
Auf einer sandigen Brache an der Leipziger Straße steht der Architekt mit dem Modell seines Entwurfs in der Hand. Drei Geistliche in langen Gewändern, ein Imam, ein Rabbiner und ein evangelischer Pfarrer bahnen sich ihren Weg durch das Unkraut und die fotografierenden Reporter. Mit Ziegelsteinen in den Händen stellen sie sich neben dem Architekten in Pose. Als »Projektbotschafter« mit dabei sind die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und der Schauspieler Wolfgang Bahro, einigen bekannt aus der Fernsehserie »GZSZ«. Pfarrer Gregor Hohberg verkündet feierlich: »Am Urort Berlins, dort, wo die Stadt geboren ist und ihre erste Kirche stand, dort soll Zukunftsmusik erklingen.« Umfassende archäologische Grabungen haben in den letzten Jahren die Anfänge Berlins zutage gefördert: 220 000 Fundstücke, Fundamente und Steine von drei Petrikirchen. Seit dem 13. Jahrhundert standen Kirchen auf dem Petriplatz, die letzte wurde 1964 abgerissen.

In Berlin-Mitte entsteht ein gemeinsames Religionshaus für Juden, Christen und Muslime. Im Interview spricht Mitgründer Ercan Karakoyun darüber, warum der interreligiöse Dialog so wichtig ist und wie die Religionen voneinander lernen können.
Wie ist die Idee zu einem interreligiösen Bet- und Lehrhaus in Berlin entstanden?
Die Idee ist in der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri - St. Marien entstanden. Auf dem Petriplatz stand einmal die historische Petrikirche, die im 2. Weltkrieg beschädigt und dann in den 1960er Jahren komplett abgerissen wurde. Im Zuge der Neugestaltung des Platzes wurden archäologische Grabungen durchgeführt. Dabei hat man festgestellt, dass es einer der ältesten Orte der Stadt ist. So kam man auf die Idee, den Platz wiederzubeleben und etwas Neues entstehen zu lassen. Die Stadt hat sich mittlerweile sehr verändert - es gibt hier wieder jüdisches Leben, es gibt muslimische Migranten - das führte zu dem Gedanken,ein Haus zu bauen, in dem alle drei monotheistischen Religionen zusammen kommen können.
Claudius Prösser