Seinem Aussehen nach zu urteilen, war er Salafist. Er beschwerte sich im Krankenhaus darüber, dass es zur Behandlung seiner Frau nur einen männlichen Arzt gab. Sprachlich konnte er sein Problem nicht richtig kommunizieren. Er kam auf mich zu und bat mich zu übersetzen. Kein Problem. Ich habe ihm geholfen und das Problem gelöst. Eine Kollegin würde in einer Stunde den Dienst antreten.
Wir sind anschließend ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir, dass es die meisten muslimischen Frauen gar nicht mehr interessiere, ob sie von einem Mann oder einer Frau untersucht würden. Das sei Sünde. Wir haben über viele unterschiedliche Themen diskutiert. Am Ende auch über Schulbildung. Ein guter Muslim dürfe seine Tochter eigentlich gar nicht in die Schule schicken, sagte er. Ich erwiderte ihm, dass er dann bald keine Frau mehr finden könne, die seine Frau behandeln kann. Er war sprachlos.

Die Mehrheit der Muslime weiß, dass Antisemitismus keinen Platz im Islam hat. Dennoch scheint es aber Muslime zu geben, die Juden nur deshalb hassen, weil sie Juden sind. Daher ist es notwendig, der Frage nachzugehen, ob der Islam antisemitisch ist und wie Muslime mit dem Antisemitismus umgehen sollten, damit derartiges nie wieder passieren kann.