Seinem Aussehen nach zu urteilen, war er Salafist. Er beschwerte sich im Krankenhaus darüber, dass es zur Behandlung seiner Frau nur einen männlichen Arzt gab. Sprachlich konnte er sein Problem nicht richtig kommunizieren. Er sprach mich an und bat mich zu übersetzen. Kein Problem. Ich habe ihm geholfen und das Problem gelöst. Eine Kollegin würde in einer Stunde den Dienst antreten.
Wir sind anschließend ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir, dass es die meisten muslimischen Frauen gar nicht mehr interessiere, ob sie von einem Mann oder einer Frau untersucht würden. Das sei Sünde. Wir haben über viele unterschiedliche Themen diskutiert. Am Ende auch über Schulbildung. Ein guter Muslim dürfe seine Tochter eigentlich gar nicht in die Schulen schicken, sagte er. Ich erwiderte ihm, dass er dann bald keine Frau mehr finden könne, die seine Frau behandeln kann. Er war sprachlos.
Am Mittwoch treffen sich Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan in Berlin im Rahmen des 50 Jahre bestehenden Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei. Es scheint, als sei in den vergangenen zwei Jahren zwischen beiden Politikern ein Kampf um die Gruppe entbrannt, die bislang 50 Jahre vernachlässigt wurde - die türkischen Gastarbeiter.
Als die ersten türkischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen, sollten sie zunächst nur ein Jahr bleiben und dann wieder zurückkehren. Sowohl die deutsche als auch die türkische Seite bemerkte allerdings schnell, dass ein Jahr kein Jahr ist. Bis die Gastarbeiter ankamen und sich in ihren Heimen einlebten war das Jahr schnell vorüber. Man entschied sich, die Arbeitszeit auf zunächst zwei Jahre zu erweitern. Auch das reichte nicht. Aus dem einen Jahr wurden vier, dann zehn, mittlerweile sind es 50 Jahre geworden.