Das junge Muslime aus Deutschland sich dem IS anschließen bestätigt vor allem eins: Die Muslimischen Verbände müssen mehr Verantwortung übernehmen und verhindern, dass das passiert.
Laut Verfassungsschutz sollen etwa 7.000 radikalisierte Islamisten in Deutschland leben. Um sich Kampfverbänden wie dem „Islamischen Staat“ anzuschließen, seien bereits 550 Islamisten, die Hälfte von ihnen deutsche Staatsbürger, ausgewandert. Viele dieser jungen Menschen sind in Deutschland aufgewachsen, haben hier die Schule besucht und studierten sogar an einer Universität. Es sind junge Menschen, die hierzulande tagtäglich oder zumindest wöchentlich in den Moscheen beten gehen und die teil unserer Nachbarschaft sind. Wir stehen im Kontakt mit ihren Familien und wir sprechen die gleiche Sprache.

Nach dem WM-Sieg gegen Argentinien waren es vor allem auch Deutsch-Türken, die mit Hupkonzerten auf dem Ku’damm feierten. Während es in der Vergangenheit bei den jungen Deutsch-Türken eher Schadenfreude gab, wenn die Nationalelf ausschied, wurde nun bis in die Morgenstunden mitgefeiert. Das hat seine Gründe. Viele der 23 Nationalspieler haben nämlich einen Migrationshintergrund. Diese Vielfalt wirkt sich nicht nur auf die Spielweise und die Leistung der Mannschaft aus, sondern auf das ganze Land.
Mesut Özil und Sami Khedira beten vor dem Spiel und heben nach muslimischer Art ihre Hände und rezitieren nach eigenen Aussagen Gebete aus dem Koran. Bilder, die es zum ersten Mal in der deutschen Nationalmannschaft gibt. Selbst die überholten ARD- und ZDF-Reporter, die noch immer nicht verstanden haben, dass der Fastenmonat Ramadan nicht nur für Algerien ein Thema ist, sprechen die polnisch, balkanisch, türkisch und arabisch klingenden Namen perfekt aus. Dass Lukas Podolski und Klose auf dem Platz untereinander polnisch sprechen, ist inzwischen auch kein Geheimnis mehr.
Nahezu keine andere Region der Welt ist historisch mit dem Christentum so eng verbunden wie der Süd-Osten der Türkei. Noahs Arche ist hier gelandet. Abraham erhielt in Harran den Ruf Gottes, „weiterzuziehen in das Land, das ich dir zeigen werde“ (Gen 12,1). In Antakya wurden die Jünger Jesu zum ersten Mal als Christen bezeichnet und auch Paulus hielt sich zum größten Teil in dieser Region auf. Heute leben in der Türkei von einst vier Millionen nur noch etwas mehr als 100.000 Christen.
Es waren allerdings nicht die Seldschuken oder die Osmanen, die die Christen aus dieser Region verdrängten, sondern es war in erster Linie die Politik der modernen türkischen Republik. Das sogenannte Millet System des Osmanischen Reiches sowie das Dhimmitum garantierte den Christen und Juden schon zu dieser Zeit Rechte und Freiheiten, von denen Andersgläubige in Europa nicht einmal zu träumen wagten. Nach dem Untergang des osmanischen Reiches entstand ein moderner Nationalstaat, der versuchte, seine Identität aus einer Deckungsgleichheit von Religion und Nation herauszubilden. Die christlichen Minderheiten wurden daher lange als Fremdkörper gesehen.