Auf dem Petriplatz beten alle mit allen

blog-97-300Manuel Opitz – Ein neues Gotteshaus soll christliche, jüdische und muslimische Gläubige einander näherbringen – auf historischem Boden.

Auf dem historischen Petriplatz in Mitte soll ein Gotteshaus für Christen, Juden und Muslime entstehen. Zumindest, wenn es nach der evangelischen Petri-Marien-Gemeinde geht. „Gerade in Berlin, wo verschiedene Religionen aufeinandertreffen, ist interreligiöser Dialog wichtig“, sagt Pfarrer Gregor Hohberg. Deshalb schlägt seine Gemeinde den Bau eines Gotteshauses vor, das für Christen, Juden und Muslime offen sein soll – rund um die Uhr.
Der vorgesehene Ort ist eine der Keimzellen der Stadt: Auf dem Petriplatz, dem Zentrum des mittelalterlichen Cölln, wurden seit dem 13. Jahrhundert nacheinander vermutlich fünf Kirchen errichtet. Von der letzten blieben nach dem Zweiten Weltkrieg nur Ruinen übrig, sie wurden 1964 gesprengt. „Auf den historischen Fundamenten dieser Kirchen wollen wir einen Sakralbau errichten, der in die Zukunft weist und zum Stadtfrieden beiträgt“, so Hohberg.

 Als Partner hat der Pfarrer den Evangelischen Kirchenkreis Stadtmitte, die Jüdische Gemeinde und das muslimische „Forum für interkulturellen Dialog“ (FID) gewonnen. „Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet und wollen bald einen Verein gründen“, so Hohberg. Von einer „Botschaft in die Welt“ spricht der FID-Vorsitzende Ercan Karakoyun. „Es ist an der Zeit, dass Christen, Juden und Muslime ihren Dialog vertiefen und Vorurteile abbauen.“ Er verweist auf ein ähnliches interreligiöses Haus in Moskau.
Dass Christen, Juden und Muslime gemeinsam in einem Raum beten, können sich die Initiatoren dann aber doch noch nicht vorstellen. Deshalb sollen die Religionen vorerst getrennt praktiziert werden. „Mir schwebt ein Saal vor, der von Glastüren in drei Räume getrennt wird“, sagt Rabbiner Tovia Ben-Chorin von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. „So können alle Gläubigen gleichzeitig beten, jeder in seiner eigenen Art und Weise.“ Die drei Räume sollen sich aber zu einem großen Saal öffnen lassen.
Als Nächstes planen die Projektpartner und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Architekturwettbewerb. Der könnte schon im Juni beginnen. Eigentümer des Areals ist seit 1964 das Land. Die bisherigen Pläne der Stadtentwicklungsverwaltung, auf dem Petriplatz ein archäologisches Zentrum zu errichten, soll der Vorschlag der Petri-Marien-Gemeinde nicht behindern. „Das archäologische Zentrum wird auf den Fundamenten einer ehemaligen Lateinschule errichtet, das neue Gotteshaus soll daneben auf den Fundamenten der Petrikirchen entstehen“, sagt Pfarrer Hohberg.
Ob auch die evangelische Landeskirche das Bauvorhaben unterstützen wird, ist noch offen. Der Sprecher der Landeskirche, Volker Jastrzembski, nennt den Vorschlag zwar „innovativ“, äußert aber Bedenken: „Es erscheint mir fraglich, ob das Projekt breit genug aufgestellt ist, um einen interreligiösen Dialog zu gewährleisten.“ Schließlich seien weder die katholische Kirche noch der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg in die Planungen einbezogen gewesen. Und mit dem FID unterstütze nur ein einziger muslimischer Verband das Vorhaben. Auch will eine andere Initiative ein multireligiöses Zentrum auf dem Tempelhofer Feld errichten. Die Landeskirche werde wohl nur eines der Projekte unterstützen.
Wer die Kosten für den Neubau übernimmt, ist noch nicht geklärt. Nach Pfarrer Hohberg will die evangelische Kirchengemeinde selbst den Neubau stemmen – er rechne nicht mit Zuschüssen.

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